2002 –  Holzers Peep-Show

(von Markus Köbeli)

Ohne Moos nix’ los ist auf’m Hof der Bauernfamilie Holzer am Rand des alpenländischen Flecken Kleinseelen. Denn die Landwirtschaft rentiert sich nicht mehr. Drei Generationen wohnen dort unter einem Dach: der hinfällige Opa, Hans und Martha sowie die Kinder Hans jun. und Anna. Meldungen aus der großen weiten Welt dringen via Zeitung und Radio herein, aber die Touristen hinterlassen am nahe gelegenen Parkplatz nur Müll. Warum nicht davon profitieren? Familie Holzer funktioniert ihre Stube um zur “Peepshow”, zum
Einblick ins unverfälschte rustikale Leben – mit Geldschlitz: “Weil es bei uns noch so ist, wie es ist”. Das funktioniert verblüffend! Natürlich bleibt nicht aus, dass die Holzers alsbald ihr familiäres Intimleben in Orientierung am klischeegeschwängerten Publikumsgeschmack etwas aufmotzen – mit Szenen aus dem unverwüstlichen Regionalhit Heidi: Die Holzer-Show perfektioniert sich zusehends, indes bleibt das Familienleben auf der Strecke… Harmonie herrscht nur noch dann, wenn sich der Fenstervorhang vor staunenden Touristenaugen öffnet: Die realistisch-authentische Schaubude mutiert sogar kurz zur echten Peepshow! Finanziell saniert geht zum Schluss jeder seinen eigenen Weg, der Familienverband zerbricht.

Mitwirkende: Franz Denzel, Lydia Forstenhäusler, Berthold Kranz, Maria Kranz, Gerold Wiedenmann. Inszenierung: Gerold Wiedenmann